Degenerative Myelopathie (DM) beim Hund

Aktualisiert: Okt 9

Erfahre in diesem Blog was eine degenerative Myelopathie ist und wie sie sich beim Hund äussert.


Was ist eine degenerative Myelopathie (DM) und wie entsteht sie?

Es handelt sich hierbei um eine nicht heilbare neurologische Erkrankung des Rückenmarks bei älteren Hunden. Die Krankheit entsteht u.a. durch eine Genmutation (SOD1-Gen) und verursacht eine Zerstörung des Rückenmarks im Brust- und Lendenbereich.

Nach neusten Forschungen ist die Mutation des SOD1-Gens zwar ein Risikofaktor der degenerativen Myelopathie, jedoch nicht die alleinige Ursache für die Erkrankung. Welche Faktoren noch eine Rolle spielen, ist bis heute ungeklärt.

Als die degenerative Myelopathie erstmals erforscht wurde, ging man davon aus, dass nur Deutsche Schäferhunde und große Hunderassen daran erkranken würden. Deshalb wurde sie auch als “Schäferhund-Myelopathie” bezeichnet. Der ehemalige Verdacht, dass nur Schäferhunde erkranken würden, hat sich aber inzwischen gelegt, theoretisch kann jede Rasse und ebenso Mischlinge mit DM diagnostiziert werden.

Rassen, die besonders häufig an einer degenerativen Myelopathie erkranken, sind z.B.

  • Deutscher Schäferhund

  • Berner Sennenhund

  • Siberian Husky

  • Rhodesian Ridgeback

  • Boxer

  • Collie

  • Pembroke Welsh Corgi

Wie erkennst du eine degenerative Myelopathie bei deinem Hund?

Die Krankheit verläuft meist langsam aber zunehmend schlechter. In der Regel treten die Symptome der Erkrankung beim vorwiegend älteren Hund auf (8 - 14 Jahre).

Durch die Störung der langen Rückenmarksbahnen, die das Gehirn mit den Nerven der Gliedmaßen verbinden, treten Ausfallssymptome und Koordinationsprobleme sowie der Verlust der Feinmotorik der Tiere auf.

Längerfristig ist auch die nervale Versorgung der Muskulatur betroffen, was zu einer Muskelatrophie und einer Schwächung der Hinterbeine führt. Schlussendlich führt dies zu einer vollkommenen Lähmung, welche sich im weiteren Verlauf auf die Vorgliedmassen, die Atem-, die Rachen- und die Schlundmuskulatur ausbreitet, was zu Atem- und Schluckbeschwerden führt.

Da keine Reizungen und Entzündungen der Nerven vorliegen, ist die degenerative Myelopathie im Unterschied zu anderen Krankheiten des Bewegungsapparates schmerzlos.

Weitere Symptome sind:

  • Ganganomalien

  • Einsinken der Hinterhand

  • Überköten

  • Verspannungen und Verkrampfungen im Lendenbereich

  • Gleichgewichtsschwankungen

  • Abnormale Reflexe

  • Schwierigkeiten beim Sitzen, Liegen und Aufstehen

  • Sensibilitätsstörungen in den Pfoten

  • Inkontinenz

Was kannst du tun?

Zeigt dein Hund obengenannte Symptome, suche unbedingt einen Tierarzt auf.

Je früher die Krankheit entdeckt wird, desto mehr Zeit bleibt dir, auf die neuen Bedürfnisse und nötigen Umstellungen einzugehen, um somit das Leben deines Hundes möglichst zu verlängern.


Wie wird die Diagnose gestellt?

Zuerst braucht es natürlich eine ausführliche klinische Untersuchung durch den Tierarzt. Schlussendlich setzt sich die Diagnose aus dem langsamen Verlauf der Gangstörung und der Abwesenheit von Schmerzen zusammen sowie einer Ausschlussdiagnose mit Hilfe einer bildgebenden Diagnostik. Dabei werden andere Ursachen für Rückenmarksfunktions-störungen (Bandscheibenvorfall, Cauda-equina-Syndrom, Tumore etc.) ausgeschlossen. Bei den bildgebenden Verfahren steht die Kernspintomographie (Magnet-Resonanz-Tomographie, MRT) im Vordergrund, da nur damit das Rückenmark und das umliegende Gewebe zufriedenstellend abgebildet werden kann. Liegen keine anderen Veränderungen wie knöcherne Vorwölbungen, Entzündungen, Kompressionen oder Missbildungen des Rückenmarks vor, wird die DM im Ausschlussverfahren diagnostiziert.

Da es sich bei dieser Krankheit um eine genetische Mutation handelt, ist ein Gentest bei einer Diagnosestellung sinnvoll, um feststellen zu können, ob der Hund das (doppelte) mutierte SOD1-Gen in sich trägt oder nicht,

Zudem kann eine Liquor Untersuchung eine entzündliche Myelopathie ausschliessen, da die Blut- und Urinuntersuchungen bei der degenerativen Myelopathie unauffällig sind.

Mit einer Muskelbiopsie lassen sich veränderte Muskelstrukturen in den Hinterbeinen bei DM Patienten nachweisen. Eine solche Veränderung kann aber auch bei anderen spinalen Krankheiten vorkommen.

Eine 100%ige Diagnose lässt sich allerdings erst nach dem Tod der Tiere durch die Untersuchung von Rückenmarkschnitten unter dem Mikroskop stellen, hier wird der Abbau der langen Nervenfasern offensichtlich.

Diagnose degenerative Myelopathie - was nun?

Verständlicherweise ist diese Diagnose erstmals furchtbar! Hunde mit DM haben nach Beginn der Symptomatik meist zwischen 2 bis 4 Jahre bis sie an den Folgen der Krankheit sterben. Dies ist sicher ein wichtiger Grund dafür, warum sich viele Hundebesitzer bereits innerhalb des ersten Jahres nach der Diagnose entscheiden, ihren Hund einschläfern zu lassen. Ein Leben mit degenerativer Myelopathie ist nicht leicht - weder für deinen Hund noch für dich. Möchtest du sein Leben mit DM erleichtern, ist eine ausreichende Unterstützung ein Muss und es gilt einiges umzustellen und anzupassen. Neben Physiotherapie (um die Beweglichkeit möglichst lange zu erhalten), empfehle ich folgende Maßnahmen für Zuhause:

  • Gutes Hundebett: Durch das vermehrte Liegen spielt der Schlafplatz eine sehr wichtige Rolle. Ein spezielles Hundebett (z. B. Orthopädisches Bett), komfortabel aber nicht zu weich, unterstützt die Schlafposition und kann den Druck von der Wirbelsäule nehmen. Das Bett sollte möglichst keinen erhöhten Rand haben, damit der Hund besser aufstehen kann.

  • Kissen/Rollen/Tücher: Zur Stabilisation und Hilfe, wenn er sich nicht mehr selber aufrichten und drehen kann, denn hier solltest du ihn für die Dekubitusprophylaxe alle paar Stunden umlagern.

  • Pfotenschuhe: Gut sitzende Pfotenschuhe verringern das Risiko des Schleifens der Hinterläufe und schützen damit die Pfoten und Krallen. Die Schuhe müssen gut sitzen, damit sie keine Nachteile mit sich bringen.

  • Absperrgitter für Treppen und Stufen: Bei fortschreitender Gangunsicherheit ist es wichtig, unbeaufsichtigte Treppen und Stufen zu sichern, damit er nicht fallen kann

  • Rampen/Einstieghilfen: Damit er weiterhin ins Auto, auf die Couch oder auf das Bett steigen kann, braucht es Rampen, Ein-/ Zweitritt, Stufen etc.

  • Futter-/Wassernapf: Achte je nach Situation auf die Höhe der Näpfe, damit sie für den Hund gut erreichbar sind. Wenn er z. B. unsicher auf den Beinen steht, ist es besser diese zu erhöhen, wenn er gar nicht mehr selbständig steht, solltest du die Näpfe auf eine rutschfeste Unterlage auf den Boden stellen.

  • Teppiche/rutschfeste Untergründe: Dein Hund wird mit der Zeit immer instabiler, deshalb ist es wichtig, dass ihm rutschfeste Böden (z. B. Matten, Teppiche) den nötigen Halt geben können.

  • Tragehilfe/Gehhilfe/Stützgeschirr: Finde ein gut sitzendes, angenehmes Geschirr für deinen Hund, damit du ihm die nötige Sicherheit und Stabilität geben kannst. Es gibt je nach Stadium unterschiedliche Hilfen z. B. von Biko Brace, Tragehilfe für die Hinterbeine oder Ganzkörper Tragehilfe bis hin zu Rollstühlen.

  • Urin-/Kotinkontinenz: Hilfestellung bei der Pinkel Position, später evtl. Blase manuell entleeren (Anleitung durch Tierarzt), spezielle Urin-Inkontinenzmatten benützen etc.

  • Gewichtskontrolle: Achte auf eine gesunde ausgewogene Ernährung und bitte keine unnötigen Kilos. Jedes Kilo zu viel ist eine zusätzliche Belastung und bereitet ihm mehr Mühe in der Bewegung.


Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Leider gibt es bisher keine wirkungsvollen Behandlungsmöglichkeiten weder mit Medikamenten, Vitaminen noch pflanzlichen Alternativen - sie sind wirkungslos.

Das wichtigste für den Hund ist es, ausreichend Bewegung zu haben, um möglichst lange beweglich zu bleiben. Im Anfangsstadium wären dies z. B. Traben, Joggen und Schwimmen.

Das Ziel einer physiotherapeutischen Behandlung ist es, die Muskulatur so lange es geht zu erhalten, um den Krankheitsfortschritt zu bremsen. Klinische Studien belegen die Bedeutung der Physiotherapie. Bei täglicher, intensiver Physiotherapie kann eine signifikant verlängerte Überlebenszeit der DM Patienten beobachtet werden.

Physiotherapie

Eine regelmässige und ausgewogene Physiotherapie kann also die Lebensqualität deines Hundes erheblich verbessern, das Fortschreiten der DM verlangsamen und sein Leben verlängern. Was ich mit der physiotherapeutischen Behandlung erreiche:

  • durch gezieltes Muskeltraining wird die Muskulatur gestärkt und aufgebaut (dies wirkt dem Muskelschwund entgegen und beugt der Lähmung vor)

  • mit Massagen wird gegen Verspannungsschmerzen (die sich Aufgrund von Fehlbelastungen entwickeln können) vorgegangen

  • mit Gerätetherapie und Gleichgewichtsübungen wird die Koordination und das Gleichgewicht des Hundes weiter gefestigt, so dass er länger aktiv bleiben kann

weitere Behandlungsmöglichkeiten:

  • Elektrotherapie zur Muskelstimulation

  • Unterwasserlaufband

  • Cavalettitraining

  • Passives Bewegen der Gelenke

  • Stabilisation

Lass dir von deiner Hundephysiotherapeutin Übungen für zu Hause zeigen, damit du täglich etwas für die Beweglichkeit, Koordination und Muskulatur deines Hundes tun kannst. Somit kannst du seine Lebensqualität möglichst lange erhalten.


Hast du Fragen? Dann kontaktiere mich, gerne unterstütze ich dich auch zu Hause mit Tipps und Pflegehilfen und zeige dir, wie du es für deinen Vierbeiner am besten einrichten kannst und welche Übungen für zu Hause geeignet sind.

Hier ein Link zu einem interessanten Video rund um die Erkrankung und Betreuung von an DM erkrankten Hunden (in Englisch):

https://www.youtube.com/watch?v=ezYqUJTbAL0&feature=emb_rel_end

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